Expedition II: Die Passage
Ein vager Horizont, wie von zitternder Hand waagerecht auf Papier gekratzt Der Gott der Finsternis trägt sein Schicksal tief hinein ins kalte Herz der weißen Hölle Rule, Britannia, die Wellen sind erstarrt Auf Royal Navy - und auf Krone! Auf dass die Plackerei sich lohne Am Ende Glorie, zweifelsohne... Mit Finsternis und Schrecken brachen wir ins Land aus Eis Ins graue Unbekannte auf Admiralitätsgeheiß Furche suchend, Bresche ahnend, Fingerzeig und Omen Kälte fluchend, Umsicht mahnend vor Amarokphantomen Einst ließt ihr Flammen regnen auf Mr. Madisons Wehrmauern doch dieser Feind wird flaggenlos und formlos euch belauern Entsandt von Barrows Haufen dekoriert-bornierter Greise stecken wir im Labyrinth und finden keine Schneise Nach langer Irrfahrt sind wir letztlich strandlos hier gestrandet dort wo kein Land scheint, sind wir dennoch zweifellos gelandet Latent kriecht Meuterei aus mancher Pore, mancher Planke und mancher fragt, was es wohl sei, das man Sir John verdanke Trägst du auch das "frank" im Namen - frei sollst du nimmer sein! Odysseus im Eismeer - ohne Preis kein Fleiß Da kauert er und brütet auf dem Stuhl aus Tropenholz, der fahle, müde Schatten, Royal Navy's ganzer Stolz Das Packeis schwillt und wuchert und verwächst schon mit dem Bug Hat der Stiefelfresser denn noch immer nicht genug? Dem Wahn zu trotzen flieh'n wir in die Stumpfheit der Routinen und werden Tag für Tag so mehr und mehr zu Fleischmaschinen Wie Flagellanten, die den eig'nen Irrsinn stets umkreisen und spüren, wie sie unaufhaltsam Stück für Stück vereisen Kälte klirrt, Hypothermie Captain irrt in Agonie Die Sonne sollte uns nie untergeh'n - wir haben sie verlor'n Festgebissen am kalten End', nur Ungewissheit scheint noch sicher Wie ein schneeblindes Kind kriechen wir im Kreis durch den frostweißen Vorhof der Hölle Und finden keinen Durchlass, keine Furche im Eis an dieser gottverfluchten Packeisschwelle Flieh', Britannia, die Wellen sind erwacht, doch sind sie nicht aus Strömung, sondern Tod gemacht
Submitted by NecroLord — Aug 14, 2026
Mir schwant, wir kamen um zu bleiben... nur nicht am Leben... nicht am Leben Existenzgerippe kriechen in die Kojen... um zu siechen... um zu sterben Schweißnebel kondensiert auf kalten Körpern... und gefriert Wahn auf Raten... portioniert... und konserviert Feinstoffkadaver schwängern die Luft mit Unheil Die Parusie des Sichelmanns scheint greifbar Der Manie verfall'n wie Ahab nur kälter, schneller, tiefer nachtlos umnachtet, katatonisch und taub beinbleich unter Deck verkrümmt Oh verfluchtes Herz Du Feind im eignen Leib Giftpumpe, drückst Wahn und Tod durch meine Adern Und immer knarrt das Eis Rigor - die Sichel singt Wie in Eisschock verhärten die Glieder Stupor - die Sense schwingt Wie in Froststarre liegt er darnieder Fieber dünstet, webt in schweißgenährten Schwaden Dunkelheit zu Tod Und immer knarrt das Eis der Heizer war der Erste das Grün ist Grau gewichen sein Kleeblatt ist verblichen zwei sollen folgen Und immer knarrt das Eis Knarrt in meinem Geist Knackt in meinem Kopf Es drängt... Es presst... Es malmt Zermahlt Nervenstränge Zerreibt meine Seele Verkeilte Angsttektonik
Submitted by NecroLord — Aug 14, 2026
So scheidet der Obrigkeit mindere Wahl Das Nordlicht entfacht ihm ein Zapfenstreichfanal gemäß dem Stand am Weltenrand Im Prunksarg sinkt er, gruftwärts Leichenkleid, gefror'nes Leinen, eiskristallgeziert Frack drunter, gemäß dem Stand die Knöpfe blind... nichts mehr blinkt... Krypta schlingt Beim Ehrensalut gefriert uns das Blut Welch’ teu’rer Tribut für Übermut Fahr nun wohl, Hohepriester dieser Wallfahrt ins Verderben Speerspitze strebsamer Hybrisnation Sturer Fels in erstarrter Brandung Ruh' endlich, in permafrostdurchwebter Katakombe... schmucklos... lichtlos... spurlos... endlos. In perpetuum. So endet dein Werk als Weltrandvermerk am Victory Point der wie Hohn uns erscheint Crozier stammelt Abschiedsfetzen woher Trost noch nehmen, wenn nicht lügen? Franklin stirbt. Crozier geht. Fitzjames folgt. Und geht. Neue Bürde. Altes Leid. Lady Jane starrt in den Nebel doch als Rae Antwort bringt, will ihm keiner glauben
Submitted by NecroLord — Aug 14, 2026
Moral wird morsch... stabiler Hunger Mensch geformt durch Landschaft, wir werden rau und roh Der Boden zu hart für ein Grab Ein Leichnam wohlfeil für die, die zehren... tot ist er sowieso Ein Leichenschmaus am Tag des Herrn mit Widerwill'n zum tiefsten Kern Kein Toast auf Krone oder Reich nur leere Augen, totenbleich Der Maat kaut auf dem Offizier, genusslos, doch er schlingt in Gier Und jeder Biss nagt gleichfalls an der Membran zwischen Biest und Mann Das Dankgebet in jener Nacht verschweigt er, da nicht angebracht Wenn Kamerad zu Nahrung wird, wie wahrt man Pietät? Kein Frömmler sein muss, wer da greinend um Vergebung fleht Kein Blick streift mehr den ander'n auch wenn sie alle wandern auf der Suche nach Halt und Sühne für Selbsterhalt Wenngleich dein Gott dir verzeiht ist deine Seel' nicht bereit Wenngleich du glaubst zu versteh'n wird doch das Mal nicht vergeh'n Moralbande reißt die Seele vereist Instinkt fordert Leben Herz will nicht vergeben tiefschwarzes Loch Mensch bleib ich doch Ultima Ratio Æterna Damnatio So gedenken wir derer in schmucklosen Messen die wir tags zuvor unter Schuldqual gegessen Und ich frage euch: ist Moral daran zu messen wer wie lange hadert vor dem ersten Bissen? Die am lautesten plärren, vermögen's mitnichten aus beheizten Salons heraus d'rüber zu richten Jene Gentlemen, die sich mockier'n und ereifern und doch nach Details stetig gieren und geifern Was bleibt sind Ohnmacht und Ekel und Dank.
Submitted by NecroLord — Aug 14, 2026
Ein Hoffnungsfunke flackert wie ein Irrlicht auf dem Eis bald schwach, bald fahl und stirbt, weil niemand ihn zu nähren weiß Suchtrupp für Suchtrupp verschollen im sonnenlosen Vorweltgrau Kein Kundschafter findet das Ende der Qual - nur das eig'ne Wir schleppen das, was von uns blieb durch raue Tundra südwärts und nehmen uns den Sisyphos zum Leitbild - Leidbild! Die Kälte webt beständig ihr Geflecht um uns're Herzen um uns... und in uns... nur grau.... tristes grau Prozession der letzten 30 Qallunaat Elendshäuflen, allmählich dezimiert auf Null Klagegeheul, Mann und Sturm im Wechsel Diese würgende Dichte an Dramen Gestrauchelt wird nicht nur auf den Frostschuttfeldern Weiß verschmutzt zu grau... und wird am Ende wieder weiß. Geröll und Schnee im Wechsel folgt Barriere auf Barriere Vor uns, in uns, mit uns nur Verdruss, Missmut und Leere Die Kriechspur, die wir ziehen, ist gesäumt von uns'ren Toten und jene, die noch sterben, zieh'n wir auf Schlitten als Vorboten für unser aller Schicksal, das seit langem schon uns schwant Dort, vorn am Bug hab' ich Saturn als Steuermann erkannt Sichelschwingend weiht er jeden Mann auf diesem Gang Bis endlich auch der Letzte ist verfall'n dem Todesdrang Krankenbiwaks zu Totenhalden Vom Qualtross ausgeschieden Abschiedsmär von Wiederkehr Überdruss im Überfluss Mitleidlos leide ich mit Wer hat das Schürfrecht an meiner Seele? Ich muss bestehen auf meinem Leben Zuerst verging das Empire... dann starb Gott... am Ende ich... am Ende Widerwillen... Einverständnis. Meine Passage... Grau... weiß... schwarz Matrosenreste zwischen morschen Zähnen gefrorener Geifer- eisstarrer Eifer Bleierne Trübnis - horizontlose Ödnis Das Leben zieht sich zurück aus den Gliedern Sterben Stück für Stück Und nichts will ich auf die Frage erwidern "...kehre ich jemals zurück?" Vollends vereinnahmt vom arktischen Eis wird mein restliches Dasein bald eins mit dem Weiß Ein letzter Blick flieht über erstarrte Wogen und mein erlöschendes Dasein krönt ein Nebelbogen Homo proponit, sed Deus disponit
Submitted by NecroLord — Aug 14, 2026
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